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Eine neue Liebe (III)

Die Halbinsel Samaná



Heute der dritte und letzte Teil der Samaná-Rundreise: Auf geht's in den Osten der Halbinsel, zuerst nach Las Galeras!

Der Bequemlichkeit halber hier noch ein letztes Mal die Karte:

(Quelle: Eigenes Werk, Alexrk2/Wikipedia/*)

Dorthin geht's per Guagua - hier einmal in der ortsüblichen offenen Safari-Version:

Auch wenn nicht jeder Mitfahrer meinen Zustieg gerade
sehnlichst zu erwarten scheint, darf ich mit fahren

Ganz allerliebst ist die Strecke und der Fahrdienst. Das Guagua hält - neben dem üblichen Verfahren (s. hier) - unterwegs auch an einzelnen Häusern an und wartet auf Fahrgäste. Dabei weiß der Fahrer, dass hier jemand wohnt, den er kennt und der gerne mal nach Las Galeras mit fährt oder er ist vorher an gerufen worden. Da es (natürlich) keine festen Fahrzeiten gibt, wird dann eben gerufen oder vor dem Haus gehupt.

Durch das offene Guagua kann man die tolle Umgebung gut filmen, wenn gleich der Ton etwas zu wünschen übrig lässt:



Dann die Ankunft: Las Galeras ("Die Galeeren"**) wirkt wie ein verträumtes Fischerdörfchen am Strand und hat im Wesentlichen eine schlauchartige Straße, die als Sackgasse am Meer endet.

Da sieht man gleich, wo's hier lang geht und wer das Sagen hat:
"Brugal" eine der großen dom. Rumhersteller

Dort gibt es einen schönen Strand, aber auch der leidet während meines Besuches an akuter Touristenarmut. Entsprechend stürzen sich Führer, Fahrer und Verkäufer in Schaaren auf mich.

Langweilen Sie schon die Bilder von den Traumstränden? Die sehen halt' alle gleich/gut aus...
Unten Mitte: Schöne Hotelanlage in Las Galeras

Ich schaue mich ein wenig um, will dann aber weiter an den angeblich schönsten Strand der RD, den Playa Rincón ("Eckstrand"), an dem Kolumbus seinerzeit erstmals die Insel Hispaniola betreten haben soll.

Der liegt ein ganzes Stück westlich von Las Galeras - eben "im Eck", s. obige Karte - und ist nur über eine Staubpiste zu erreichen. Taxi ist zu teuer, weshalb ich - mal wieder - per Motoconcho dorthin fahre. Zum Glück ist gutes Wetter, so dass mir eine Schlammschlacht erspart bleibt. Von der Strecke ein paar Impressionen:

Links Mitte: Üblicher Schulbus auf dem Lande, oben rechts: Zwei P/BS treffen 200
rechts Mitte: Selbst auf dem Lande vergessen die Kleinen klugerweise nicht, nach der
(ungestellten) Aufnahme einen Pesobetrag bei mir ein zu fordern

Eine kleine Besonderheit der hiesigen Gegend: In Las Galeras und Umgebung gibt es keine Tankstelle. Warum? Kein Witz: Die kommunale Lizenz dafür soll so teuer sein, dass niemand investieren will. Huhhh, dann haben ja alle was davon - es gibt keinen Sprit und die Gemeinde verdient auch nichts - super Lösung.

Aber natürlich haben die findigen Dominikaner eine Abhilfe geschaffen. So wird der Sprit einfach anderswo eingekauft und am Straßenrand an die Endverbraucher im üblichen Ameisenkommerz vertickt. Das sieht dann so aus:

Willkommen am Mini-Colmado "95 Oktan Bleifrei" - Die Gebinde sind u.a. alte Bierflaschen und Kochölbehälter


Für größere Mengen wird auch gerne ein Fass Sprit im Guagua mit transportiert. Ich selbst steige dann aber immer aus bzw. um, denn ich habe keine Lust im Falle eines Unfalls direkt neben 20 oder 50 Litern Superbenzin zu sitzen. Die Mitfahrer sehen dass aber nicht so eng und haben für meine Bedenken kein rechtes Verständnis.


Im Bild rechts: Hinter meinem (ehemaligen) Sitz wird ein Fass raffiniertes "Venezuela crude Tia Juana light" (immerhin ein guter Jahrgang) rein gequetscht. Das übernimmt nicht einmal der Fahrer, sondern eine hilfsbereite und bewunderswert todesverachtende Mitfahrerin, der ich gerne meinen Sitzplatz vermache.



Dann ein erster Ausblick auf die Eckbucht:



Der Strand selbst ist nett, haut mich aber auch nicht um. Vielleicht bin ich auch nur übersättigt. So ungefähr sieht's aus:

Übersetzung Schild oben:"Willkommen am Eckstrand - Kalte Röhre (?) -
Erhalten Sie die Sauberkeit - Gespendet (das Schild) von der
Eisenwarnehandlung Virginia"

Ein Rundumblick:


Links: Etwas hinter dem Strand ein grünes Idyll;
Rechts: Das Boot mit dem Kolumbus offenbar anlandete - scheint, dass es
immer noch in Benutzung ist

Schließlich geht es noch nach Santa Bárbara de Samaná, der Provinzhauptstadt (gegründet 1757), die früher eine bekannte Drehscheibe des englischen Sklavenhandels gewesen sein soll.



Einige nicht-repräsentative Eindrücke in Wassernähe

Dort besuche ich einen Markt:

Oben: 2.v.l.: Pepinos (Gurken), 4.v.l. Papas (Kartoffeln) und im Vordergrund Batatas (Süßkartoffeln)
Unten: 1.v.l.: Guanábana (Stachelannone), 4.v.l.: Canela (Zimt)

Allgemein staune ich, wie sauber die Stadt ist. Hier scheint diesbezüglich ein anderer Wind als im Süden zu wehen:

Unwillkürlich suche ich ein Schild "Betreten des Rasens verboten!" - zum Glück nahezu undenkbar in der RD

Zur Verdeutlichung dessen, was ich meine, hier mal als Vergleich ein (leicht impressionistisch angehauchter) Eindruck, wie sich das Straßenbild in Boca Chica und vor allem in Santo Domingo so dar stellen kann:



Die Stadt Santa Bárbara de Samaná hat sicher noch allerlei mehr zu bieten, doch ich bin zeitlich knapp und muss das daher auf einen weiteren Besuch vertagen. Grund ist, dass Habenichtse (wie manche Blog-Autoren) ja auf die Guagua-Linien angewiesen sind, die aber nur bis zu einer bestimmten Uhrzeit zirkulieren. Bei der Linie Samaná-Sánchez ist das zB 18:00 Uhr. Verpasst man diese Zeit, kann man das Geld, das man nicht hat, entweder in ein Hotel oder in einen (dann sehr teuren) Motoconcho investieren. Oder auf der Straße nächtigen, bis morgens wieder ein Guagua fährt. Eins wie das andere erscheint mir gleichermaßen unattraktiv.


__________________

Weitere Quellen: SRTM3, ETOPO1, VMAP0, http://www.one.gob.do
    http://lib.utexas.edu/maps/dominican_republic.html

** Der Name soll stammen von zwei Kriegsschiffen, die die spanischen Kolonialherren dort vorhielten, um die immer 
    wieder einfallenden Franzosen ab zu halten (Quelle: Wikipedia (engl.)).



Eine neue Liebe (II)

Die Halbinsel Samaná



Aber Samaná hat natürlich noch viel mehr zu bieten als das etwas verschlafene Sánchez und das Naturschutzgebiet Los Haitises. Heute daher Teil 2 der Rundreise.

Ich will weiter nach Las Terrenas. Hier zur Orientierung noch mal die Karte:

(Quelle: Eigenes Werk, Alexrk2/Wikipedia/*)

Auf dem Weg dorthin besuche ich mit David ("meinem" örtlichen Motoconchos des Vertrauens) die "Fuente" ("Quelle") etwas außerhalb von Sánchez. Einen "primo" hat er dort zum Glück nicht.



Die Fuente ist eine Art Freibad, bei dessen Wässern jemand - vermutlich ein findiger Marketing-Mensch - ungeahnte Heilkräfte für jedes Gebrechen festgestellt hat. Gut, gut, testen wir die mal.


Eines meiner kleinen Lieblingsthemen: Hinweis- und Preisschilder. Wie gerufen, stellt auch ein Schild am Eingang der Fuente bereits klar, was hier "ambach" ist:


(Übersetz.:" Eintrittspreis - 40 Pesos (ca. 80 Eurocent) pro Person - Kinder unter 10 Jahren zahlen 20 Pesos (ca. 40 Eurocent) - Fragen Sie (gar nicht erst) nach Rabatt")




Das Ambiente drum herum reizt mich nicht sofort, aber ich will mal einen Versuch wagen. Irgendein Leiden wird sich schon kurieren lassen.



Wie auch schon gehabt: Wegen Putztag geschlossen. Da hilft kein Betteln und kein Flehen und auch kein Vortäuschen von Rückenschmerzen und schlimmen Hühneraugen: Die Hausmeisterin bleibt eisern (wenngleich höflich) und erbarmt sich nicht. Macht aber wenig, da das Wetter ohnehin nicht besonders ist und ich zudem einziger Badegast wäre.


Trotzdem mache ich natürlich ein paar Fotos durchs Gitter. Hier baden die "Reichen", die sich den Eintritt leisten können:


So baden die Armen - immerhin umsonst - im ausfließenden Wasser der "Reichenabteilung":



Gedankenspiel: Eine (untypische) dominikanische Kleinfamilie zahlt - 2 Erwachsene, 3 kleine Kinder - 140 Peso (ca. 2,80 Euro) Eintritt. Nach Angaben von David können sich das aber allerlei Arme hier nicht leisten, weshalb es den "Umsonst-Bereich" gibt - sozialer Ausgleich auf dominikanisch. Hübsche Idee immerhin. Aber, wie kommen die Armen denn hier hin? Die Fuente liegt geschätzte 5 - 7 Kilometer vom Zentrum von Sánchez entfernt und eine Guagua-Fahrt kostet selbstverständlich auch was. David verrät mir, was ich mir eigentlich schon hätte denken können: Sie laufen einfach mit Kind(ern)&Kegel(n)* hin- und zurück.


Ok, Baden passé - dann halt' weiter nach Las Terrenas. Die Fahrt per Moped ist toll, kann man doch die fabelhafte Natur viel näher erleben. In einem Auto wollte ich hier nicht sitzen.


               Wirklich schöne Aussicht ...
                                                                                           ... nur Vorsicht vor fotografischer Rosstäuschung
       

Einziger Nachteil dieser Reisevariante ist, dass die Motoconchos hier - wie fast überall auf dem Lande - offenbar Ambitionen auf die Teilnahme am MotoGP hegen und immer so viel Stoff geben, dass es einen graut. Die schnellen Motos von BC fühlen sich dagegen an wie eine Beifahrt in einem Gehwagen. Mein Tipp für Nachmacher, die das Land per Moto erkunden wollen: Unbedingt fest sitzende Mütze und Sonnenbrille mitnehmen, damit einen Staub und Steinchen des Gegenverkehrs nicht im Gesicht/ Augen treffen. Wichtig.


Las Terrenas wird - passend zu dem aus dem Französischen der Kolonialzeit kommenden Namen "La terrienne" ("Die Gutsbesitzerin") von vielen Franzosen bevölkert und wirkt recht nett, ist mir allerdings zu touristisch, um dort arg viel Zeit zu verbringen. Für einen Urlaub aber sicher nett, wenngleich ich einen Hauch von Verfall und Patina auf dem Glanz wahr zu nehmen glaube.

Trotz Country-Club weist der Verkehr in Las Terrenas mitunter auf seine ländliche Lage hin 

Immerhin will ich aber den Strand, der den ausgefallenen Namen "Playa Bonita" ("Schöner Strand") trägt, sehen.

Der ist auch schön, allerdings am Nachmittag und außerhalb der Saison auch ziemlich leer:



Dort kann man, wenn man ein paar Pfennige mehr übrig hat, auch hübsch in Meeresnähe wohnen (wenn denn kein Hurrikane kommt):




Schließlich geht's am nächsten Tag noch weiter zur bekannten Wasserkaskade ("Cascada") El Limón, die mitten in der Halbinsel zwischen Las Terrenas und Santa Barbara de Samaná liegt.

Dazu fahre ich lange mit den örtlichen Guaguas, die auf dem Land zumeist aus Minibussen bestehen, ca. 60 km. Interessant wegen der Landschaft und der Mitfahrer, aber insgesamt doch arg langsam und etwas quälend, da unbequem.

An einer der mehreren "Paradas" ("Stationen") steige ich aus. Grundsätzlich kann man zur Cascada nämlich zu Fuß oder ... mit Pferd gelangen.



Da ich noch nie geritten bin, interessiert mich dass und ich miete ein Pferd. Die übliche Geschichte zum Verhandeln mit dem Chef Franklin erlaube ich mir, dem Leser heute zu ersparen. Nur eines, falls Sie dort selbst einmal sein sollten: Es ist immer "viel Luft drin" und der Preis richtet sich nach dem Geldbeutel des Käufers.




Mein Führer ist der Bauernsohn Frank (engl. gesprochen/ rechts im Bild), der nicht bezahlt wird, sondern nur von eventuellen Trinkgeldern lebt. Netter Trick vom Chef: "Pferd ist teuer - ok - aber dafür ist die Führung gratis!".






Na, ja, die Farbe passt ja auch etwas

Ich werde anvertraut dem Hengst "Chino" ("Chinese"), der so genannt wird wegen seiner vermeintlichen Schlitzaugen:






Ungeachtet aller Beteuerungen, wie viele Western mit Clint Eastwood und John Wayne ich schon angesehen habe, werde ich angehalten, nur mit der hauseigenen Treppe auf zu sitzen:

Links: Mit meiner Cowboyehre eigentlich unvereinbar ...

Dann geht's los und Chino trottet, für mich abenteuerlich schunkelnd, auf den ausgetretenen Pfaden los ins Grüne.


Das geht recht gut, jedoch hat der liebe Chino, so scheint es, manchmal keine rechte Lust. Er rutscht auf dem arg ausgetretenen Steinweg aus und will verschiedentlich andere Abzweigungen als Frank nehmen. Und ich hatte damit gerechnet, dass er, wie ein altes Brauereipferd, den Weg in- und auswendig kenne. Frank klärt mich auf: Chino ist verliebt und will zu seiner Pferde-novia ("feste Freundin") zurück.

Auf dem Weg, den Frank komplett zu Fuß geht, Chino anschiebt, ihm zu redet und mir Pflanzen am Wegesrand erklärt, treffen wir einige Anwohner, die hier wohnen und daher diesen Weg jeden Tag zu Fuß gehen, sei es, um zur Arbeit zu kommen oder nur ein zu kaufen.

Links: Der Weg ... er ist noch schlimmer und steiler, als er hier aussieht
Rechts: Nicht alle Landbewohner sind bei meinem Anblick begeistert

Anekdote am Rande: Die Landbewohner kommen mir insgesamt ja immer recht freundlich und friedlich vor. Ich frage Frank also, ob es hier auf dem Lande auch Kriminalität gebe. Er antwortet, dass das kaum der Fall sei. Warum, frage ich. Seine Antwort lautet, dass die Polizei hier mit Verbrechern schlicht "kurzen Prozess" mache. Ob's stimmt, weiß ich natürlich nicht, aber hören tue ich das nicht zum ersten Male***.


Zurück zur Natur: Nach einer halben Stunde und geschätzten 4 Kilometern Wegstrecke erreichen wir die Limón. Die hat eigentlich drei Sturzbereiche, wobei der erste ganz zauberhaft ...



 und Nr. 2 im Verlauf zwar hübsch,



im Sturz aber arg hässlich ist:

Wenn ich das sehe, denke ich irgendwie an die Eifel im Herbst ...

Der Hauptsturz ist mit 52 Metern Fallhöhe beeindruckend und wird nach einem beachtlichen Abstieg erreicht:

Mit IPad-Brennweite schwierig - der Herr hier im Bild
sucht eine gute Fotoposition (die er jetzt hat, ist es nicht)

Mann kann an der Limón auch herrlich baden

Zurück muss man ordentlich bergauf laufen, weshalb sich Ungeübte, Herzschwache oder körperlich eingeschränkte Personen sich dies gut überlegen sollten****:





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Weitere Quellen: SRTM3, ETOPO1, VMAP0, http://www.one.gob.do
    http://lib.utexas.edu/maps/dominican_republic.html.

** Unnützes Wissen, qualvoll erlernt - den blog zu lesen soll ja nicht nur Spaß machen: "Kind & Kegel" ist übrigens ein 
    "Hendiadyoin" (reth. Stilmittel) - gute Millionenfrage bei Günther Jauch, nicht? Jetzt wissen Sie es (vorsorglich)! 
    Einen drauf: "Kegel" bezeichnete ja früher die unehelichen Kinder, was den Ausdruck hier vor Ort sogar noch 
    passender macht, da mancherlei Mütter eine Schaar Kinder von verschiedenen Vätern haben.

*** Ein Beispiel/ Zitat aus dem Nachrichtendienst Carlos Bamert (zu abonnieren über facebook: hier) v. 04.06.2013:
    "Santo Domingo – In weniger als 24 Stunden hat die Nationalpolizei bei angeblichen Schusswechseln 4 Personen  
    getötet. Trotz der Hartnäckigkeit verschiedener Sektoren und Menschenrechtsorganisationen, die verlangen dass die 
    Institution mit dieser Praxis aufhört, hält die Polizei an dieser Praxis fest.".

**** Ungeprüft, aber ggf. sinnvoll: Nach meiner Kenntnis des Weges dürfte von einem Ritt bei schlechtem Wetter 
     (Regen) ebenfalls deutlich ab zu raten sein. "You have been warned".


Eine neue Liebe (I)

Die Halbinsel Samaná



Diesmal möchte ich dem geneigten Leser einen weiteren herrlichen Teil der Insel Hispaniola vorstellen: Willkommen auf der Halbinsel Samaná*! Auf zum ersten Teil!

Auf der Karte liegt sie so:

(Quelle: Eigenes Werk, Alexrk2/Wikipedia/**) - rechts: einige der Reiseziele

Um diesen Teil der RD kennen zu lernen, muss ich von Boca Chica im Süden in den Nordosten der Insel fahren:

Links oben: Autopista Las Americas, links unten: Carretera Juan Pablo II
Rechts: Wegstrecke nach Samaná

Das mache ich mit der Buslinie Caribe-Tours, die an der Kreuzung der Autopista Las Americas und der relativ neuen Autobahn Nord-Süd eine Haltestelle hat. Als Schalterhalle und Aufenthaltsraum fungiert - dominikanisch-pragmatisch - ein ausrangierter Bus:

Unten Mitte: Die Schalterhalle im Businneren ...
... wird (unten rechts) ortsüblich gut bewacht

Zur Erkundung der Halbinsel brauche ich außerdem eine gut gelegene Basis. Ich wähle dazu das Städtchen Sánchez***. Im Hinblick auf Sánchez hatte man mir von mehreren Seiten vorher eindringlich abgeraten und gesagt, dort gebe es "nichts". Ein gutes Zeichen - folgere ich doch daraus, dass man dort günstig wohnen kann und mir Touristentamtam mit den üblichen Auswüchsen erspart bleibt. So kommt es denn auch. Ich wohne in der Pension "Juana", deren Wirtin einen ungewöhnlich guten Geschmack beim Einrichten hat und zudem eine im ganzen Bezirk gefürchtete Domino-Meisterin ist.

Die Pension Juana innen

Ich residiere dort für günstige 500 Peso die Nacht, wobei mir Juana listig bis zum Ausgepackt-Haben verschweigt, dass es sich dabei um einen Netto-Preis handelt und 16% Mehrwertsteuer hinzu kommen. Aha, Domino-Finten angewandt im realen Leben. Sei's drum, 1:0 für sie.


Sánchez ist auch ein nettes Landkaff mit ganz herrlicher Natur und Meer drum herum:
Oben: Ausblick auf Sánchez; Links-Mitte: Straßeneindruck; unten: Ausblick auf die Bucht

Weitere Eindrücke von Sánchez; dort soll ja "der Hund begraben sein" - wie das Bild links unten zeigt,
könnte da doch was dran sein ("Funeraria Municipal" = "kommunales Bestattungsinstitut")

Allerdings lässt die Elektrifizierung von Sánchez zu wünschen übrigen - so erlebe ich dort keinen einzigen Abend, an dem es nach 18:00 Uhr noch Strom gäbe. Aber Glück: Juana hat einen Inversor (Stromspeicher) für das Hotel.


Dann geht's los. Als Erstes möchte ich den Nationalpark Los Haitises kennen lernen. Dieser wurde 1976 zum selbigen gemacht, ist insgesamt 826 qkm groß und bezieht Teile von vier Provinzen (Sabana de la Mar, Hato Mayor, Monte Plata und Samaná) mit ein:

(Quelle: Eigenes Werk, Alexrk2/Wikipedia/**)

Er beheimatet allerlei interessante Tier- und Pflanzenarten, vor allem Vögel, und bietet vielfältige tolle Natur, etwa die größten Mangroven des Landes. Der Name klingt übrigens nicht zufällig wie der Staat Haiti, denn "Haití" bezeichnete in der Sprache der Ureinwohner Hispaniolas die ganze Insel, die sie "bergiges Land" (= "Aití") nannten.

Beschauliches Fischerleben am Strand von Sánchez****


Mit Hilfe "meines" örtlichen Motoconchos David gelingt es mir, am Strand einen Kleinkapitän - seinen angeblichen "primo" (Cousin) - aufzutreiben. Der ist touristisch vorgebildet, sehr quirlig, wirft mir direkt deutsche Sprachbrocken um die Ohren und preist die Schönheit Deutschlands (das er mit Sicherheit nicht kennt). Das alles stört mich etwas, da ich Animation weder benötige noch möchte. Genau wie ich es mir gedacht habe, geht er außerdem von touristischen Ausflugspreisen mit zwei Mittelmännern aus und verlangt - nach den üblichen Höflichkeiten und dem Umschleichen der wirklichen Zahlen -  4.500 Pesos (ca. 90 Euro) für die Überfahrt und ein paar Stunden in Los Haitises. Mehr als Zeit, dass ich ihn los werde.


Ich lehne also rundheraus (wenngleich freundlich) ab, kostet doch eine All-inklusive-tour von Boca Chica aus dasselbe ... mit ein bisschen Feilschen sogar weniger (wobei dabei natürlich mehr Personen teilnehmen und zahlen). Trotz seines verständnislosen Kopfschüttelns zeige ich mich nur wenig nachgiebig und biete geizig 1.000 Pesos (ca. 20 Euro) Maximum. Wir verhandeln höflich, aber hart weiter ... und kommen zu keinem Ergebnis. Ich biete abschließend 1.700 Pesos, ca, 34 Euro, plus Trinkgeld, falls ich danach sehr zufrieden sein sollte, was er jedoch ebenfalls ablehnt.


Aber natürlich will man sich - gerade wo die Saison ("temporada") vorbei ist und touristische Flaute herrscht - diesen "Gringo-Fisch" (mich) nicht engehen lassen. Also besorgt der Primo mir einen weiteren Vetter namens Isaac, der geneigt ist, mir für diesen Preis ein paar der Herrlichkeiten von Los Haitises zu zeigen (sicher verlangt Mr. Primo von dem auch eine Vermittlungskommission). 1.000 Pesos gebe ich als Anzahlung für den Sprit, der sogleich im Kanister heran geschafft wird.


Kleine Idee also, die auch allgemein nützlich sein mag: Vermeiden Sie touristisch geschulte und geübte Führer - es wird vermutlich unnötigerweise deutlich teurer und Sie kriegen voraussichtlich (nur) eine Standardbehandlung für ahnungslose Pauschaltouristen.



Schließlich setzen mein - zum Glück ruhiger und zurückhaltender - Kapitän Isaac und ich in seiner Nussschale - mir wird stolz präsentiert, dass es sich um ein "Fieberglas-Boot" (!) handele - zum Nationalpark über.

Die Strecke von Sánchez nach dort soll 12 nautische Meilen (ca. 22 km) betragen und erweist sich als rauher ich angenommen hatte. Ich werde so nass, als ob ich nicht im Boot gefahren, sondern geschwommen wäre. Sehr ungünstig für meine Geldscheinsammlung, meinen Pass und die Kamera. Durch mitgebrachte Plastiktüten kann ich aber alles vor dem Schlimmsten bewahren. Allerdings lassen die dauernden Gischtspritzer und Wasserfontänen nur selten Filmaufnahmen zu. Ungeachtet dessen habe ich aber viel Spaß bei dem Ritt.



Wir nähern uns nach ca. 45 Minuten Fahrt dem Nationalpark:



Dort selbst ist es umwerfend schön und ich schwelge geradezu im Genuss. Für mich bisher das schönste Fleckchen, das ich in der RD entdecken durfte. Einige Eindrücke:


Oben rechts: Eine Militärbasis - kein Witz - hierher werden Soldaten abkommandiert, die den Park sauber halten;
das gilt aber offenbar nicht für die Küche (unten rechts);
links unten: Durst? Isaac findet eine Kokosnuss und trinkt

Den Fischern von Sánchez scheint es hier auch zu gefallen, haben sie doch in der Nähe eine kleine Zeltstadt errichtet:



Ob dies geschieht, um immer nahe an den Fischgründen zu sein, aufbrausenden Ehefrauen zu Hause zu entgehen oder einfach nur mal in Ruhe Domino spielen zu können, kann ich aber nicht sagen. Beim nächsten Besuch werde ich fragen.



Weiter besuchen Isaac und ich noch eine nahe gelegene Höhle:



Dann geht's nach einigen Stunden zurück nach Sánchez.

Allerdings erwartet mich vorher noch eine kleine Überraschung ... Wie das auf meinen Exkursionen üblich zu werden scheint, geht immer irgend etwas kaputt. Diesmal - sehr unschön - der Motor von Isaac's Boot, und zwar irgendwo mitten auf See. Zunächst mache ich mir keine Sorgen. Das ändert sich, als ich den besorgten Ausdruck auf Isaac's Gesicht sehe. Hektisch macht er am Motor herum, dreht, zischt und stößt Verwünschungen aus. Nach circa 50 Anlassversuchen, irgend einem Trick von Isaac und einem Gebet (meinerseits), stottert der Motor dann aber doch wieder an und wir fahren weiter. Puh, hatte ich mich doch schon geistig als Robinson Crusoe auf Los Haitises gesehen.

Bei der Weiterfahrt kommt mir so zum ersten Mal ein Gedanke, der mir vorher im Tatendrang und bei der Feilscherei um den Fahrpreis unter gegangen war. Wie sieht es eigentlich mit Rettungsausrüstung "an Bord" aus? So fernliegende Accessoires wie eine Schwimmweste erblicke ich jedenfalls nicht. Auch sonst rein gar nichts, außer dem Motor, dem Tank und dem barfüßigen Isaac. Aber meine Sorge erweist sich als unbegründet: Isaac zeigt mir sein als Rettungsutensil dienendes Mobiltelefon, das er - in eine Plastiktüte eingewickelt in der Hosentasche - hat, als seine Mutter anruft und fragt, wann er denn zum Essen heim käme. Da bin ich ja beruhigt.

Home, sweet home! Zurück am Strand von Sánchez


_________________

* Der Name Samaná ist übrigens die alte Bezeichnung der Taíno-Ureinwohner für diese Region, die sie Xamaná nannten.

** Weitere Quellen: SRTM3, ETOPO1, VMAP0, http://www.one.gob.do
    http://lib.utexas.edu/maps/dominican_republic.html.

*** Solche süßen Kleinigkeiten liebe ich: Das bescheidene Dörfchen Sánchez hieß vor 1866 wegen seiner vielen 
     bewachsenen Bäche noch "Las Cañitas" ("Die Stroh-Hälmchen") und wurde erst dann im Zuge seiner Erhebung zur 
     Gemeinde ("municipio") zu Ehren des Nationalhelden Francisco del Rosario Sánchez in das heutige "Sánchez" 
     umbenannt.

**** Wegen der Nähe zum Meer und der vielen Fischerei sind Meeresfrüchte hier herrlich frisch und zudem spottbillig 
     (im Vergleich zu anderen Orten der RD) - sicher ein Plus für Freunde der solchen.